Neben Tätowierungen von Bruce Springsteen, Bob Dylan und Phil Lynott – Tom Petty soll noch kommen – hat sich Mike Tramp auch einen Löwenkopf stechen lassen. Auch, weil es jetzt wieder mit seinen White Lion losgeht, mit denen er im kommenden Juni für zwei Shows nach Deutschland kommt.
„Zwar nicht wirklich ein White-Lion-Tattoo, aber das Design stammt von REMEMBERING WHITE LION“, merkt er an. Für diese Scheibe hat Tramp 1999 schon einmal die Lieder seiner damaligen Hitformation neu aufgenommen. So richtig gelungen ist dieses Unterfangen aber erst jetzt mit den Releases von SONGS OF WHITE LION und SONGS OF WHITE LION VOL. II. Demnächst soll ein dritter Teil folgen, wie Tramp beim Interview im Tourbus in München vor seiner Show als Gast von The Dead Daisies erzählt. Hier zeigt er auch stolz seine Tätowierungen und gibt seine „David-Lee-Roth-Story“, wie er sie nennt, bezüglich der Reaktivierung von White Lion zum Besten: „Es war, als ob ich eines Nachts aufwachte, weil mich ein Bär durch den Wald jagt. Ich dachte mir, how the fuck kann ich dem Bären entkommen, der in diesem Fall aber ein Löwe war. Eines Nachts drehte ich mich dann um und umarmte den Bären.“
Wenn das mal keine gute Geschichte ist. „Mir wurde klar, dass ich vor meinen eigenen Songs davonlief.“ Nachdem die Stücke modernisiert, aber doch mit dem „Original-Feeling“ neu aufgenommen waren, gab es laut Tramp zuerst noch keine Tourpläne unter dem White-Lion- Banner. Dann aber ging es zuerst mit Gitarrist Markus Nand, der die originalen Gitarrenparts „Note für Note, aber in einer anderen Tonlage“ nachspielte, nach Amerika, und schließlich wurde mehr daraus. „White Lion standen seit der Trennung 1991 nicht mehr auf der Bildfläche. Aber so ziemlich jede andere 80er-Jahre-Gruppe war irgendwie wieder da. Wir dachten uns dann: Warum das nicht auch mit einer kompletten Band machen?“
CLASSIR ROCK verlost 3×2 Tickets für jede der beiden Shows: Schickt uns einfach eine Mail mit eurem Namen und eurer Wunschstadt unter dem Betreff „LION“ an: verlosung@classicrock.net (Teilnahmeschluss ist der 25.04.25)
06.05. Bochum
07.05. Frankfurt
Die Support-Shows für The Dead Daisies werden zwar noch im Duo bestritten, lassen aber schon erahnen, wie Mike Tramp klingt. Tiefer und relaxter, gibt er unumwunden zu. Er nennt es „zu Hause“. Natürlich muss man mit dem heute 61-Jährigen kurz über die goldenen Hair- und Heavyzeiten in den 80s sprechen. Tramp gibt zu, damals in Sachen Look durchaus Zugeständnisse gemacht zu haben, aber nicht bei den Liedern und vor allem nicht bei den Texten. „›Cry For Freedom‹ und ›When The Children Cry‹ – da mach ich mir um die Haare keine Sorgen, der Song wird immer gewinnen.“
Apropos Texte. Sein Sohn, der sein altes Ich auf YouTube entdeckt hat, soll zu ihm gesagt haben: „Ich bin froh, dass du nicht der bist, der das X in Sex gebracht hat.“ Wohl eine Anspielung ›Let’s Put The X In Sex‹ von Kiss, über die Tramp gerne spricht. Noch lieber spricht er aber über Bruce Springsteen – und er möchte irgendwann seine ähnlich gelagerten Solosachen und den ›Thunder Road‹-Singer/Songwriter-Ansatz fortführen. Aber jetzt ist erst mal White Lion angesagt. Von Freak Of Nature, der damaligen Nachfolgeformation, wird es hingegen keine Neuaufnahmen geben. „Die können nicht verbessert werden“, sagt Tramp: „Diese beiden Platten sind die Highlights meines Lebens.“
Im Juni 2025 spielen White Lion, in kompletter Besetzung, einige Shows in Deutschland. „Endlich habe ich die Band zusammen, die ich haben wollte“, schwärmt der Oberlöwe. Man werde so lange weitermachen, bis „es keinen Sinn mehr ergibt“. Bei den mindestens zweistündigen Konzerten wird Tramp auch etwas zu den Stücken erzählen. „Meine Schwäche ist, dass ich möchte, dass mich das Publikum versteht. Ich erzähle keinen Bullshit.“ Ein Pressevertreter meinte früher mal zu ihm: „Keiner will lange Geschichten in den 80ern.“ Heute schon. Denn Tramp hat wirklich viel zu sagen. Und jetzt mit White Lion auch wieder ein Wörtchen mitzurocken.